Premiere in der Spielzeit 2021/22

Uraufführung von »Berlin Alexanderplatz« als Oper

Mit Berlin Alexanderplatz verfasste Alfred Döblin einen der großen deutschsprachi­gen Romane des 20. Jahrhunderts. Jenseits der zentralen Handlung um den Mörder Franz Biberkopf, der nach Verbüßung seiner mehrjährigen Haftstrafe versucht, wie­der Anschluss an die Gesellschaft zu finden, zeichnet Döblin ein authentisches Bild Berlins in Zeiten der Wirtschaftskrise und des beginnenden Nationalsozialismus. Das Buch wurde als Schlüsselwerk der Moderne und erster be­deu­tender Groß­stadt­­ro­man gefeiert. Michael Heicks, Inten­dant der Bühnen und Orchester Bielefeld, hat sich persönlich um die Vertonungs­rechte von Berlin Alexander­platz bemüht, das bereits in verschiedenen Bearbeitungen für Schauspiel auf mehreren Bühnen zu sehen war: »Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, Stephan Döblin, den Sohn von Alfred Döblin, von unserer Idee zu über­zeugen, so dass Berlin Alexanderplatz nun erstmals als Musiktheater auf einer Büh­ne zu erleben sein wird. Dieser Mam­mut­­stoff ist so facettenreich, dass sich eine Opernfassung gepaart mit Elementen aus Schauspiel und Tanz nahezu aufdrängt.«

Das Theater Bielefeld hat bereits mehrere sehr erfolgreiche spar­ten­übergreifende Pro­jekte auf die Bühne gebracht. Über Grenzen hinaus zu denken und zu agieren, ist ein zentrales Anliegen des Hauses, das auch von Stephan Döblin unterstützt wird. In einer sehr persönlichen Nachricht an das Theater Bielefeld schreibt er: »Mein Vater und ich teilten die Liebe zur Musik. Wir konnten abends für viele Stunden zusam­men­sitzen, um einer Konzertaufnahme zu lauschen. Ich war begeistert, als das Theater Bielefeld mich um Erlaubnis bat, eine Oper basierend auf Berlin Alexander­platz zu entwickeln. Ich freue mich sehr darauf, diesen Text endlich in Musik hören zu können.«

Für die Umsetzung des Projekts konnte ein prominentes und sehr erfahrenes Team gewonnen werden. »Wir haben viele Gespräche geführt und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Den Handlungskomplex auf das Wesentliche zu konzentrieren und daneben die atmosphärischen Bereiche sowohl der Zeit als auch der Prota­go­nist*innen emotional mit Mitteln der Musik wahrnehmbar zu machen, ist wahrlich keine einfache Aufgabe«, beschreibt Nadja Loschky, Bielefelds künstleri­sche Leiterin des Musiktheaters, die besondere Herausforderung. Die Theater-Verantwortlichen sind überzeugt, die richtigen Menschen zusammengebracht zu haben: Die Libret­tis­tin Christiane Neudecker ist eine profunde Kennerin von Döblins Leben und Werk und kann umfangreiche Erfahrungen als Autorin vorweisen. Ihren aktuellen Roman Der Gott der Stadt, im Berlin der 90er Jahre spielend, be­zeich­­nete die Süddeutsche Zeitung als neuen »Hauptstadtroman der Post­wende­zeit«. Sie hat über­dies bereits im Musiktheater­bereich gearbeitet. Für Christiane Neudecker ist Berlin Alexander­platz noch lange nicht auserzählt: »In diesem wirkungsmächtigen Roman stecken so viele Aspekte, die zahlreiche Sichtweisen zulassen. Mich hat zudem inte­res­siert, wie man den Rhythmus der Stadt und die Kraft von Döblins Sprache ein­fan­gen und auf die Opernbühne bringen kann – das war eine spannende Heraus­for­de­rung, der ich mich gerne gestellt habe.« Als zentrales Stilmittel hat sie daher einen Stadtchor er­funden, der sowohl singt als auch spricht und so die Viel­stim­migkeit einer urba­nen, sich im Umbruch befindenden Welt veranschaulicht.

Komponiert wird die Oper von Vivan und Ketan Bhatti, die schon mehrfach am Theater Bielefeld sowie an Bühnen wie dem Deutschen Theater Berlin, der Neu­köll­ner Oper, der Staatsoper Hannover oder dem Thalia Theater Hamburg gear­bei­tet haben. Ihre bisherigen Musiktheaterstücke basieren auf Kooperationen mit be­kan­nten Autoren wie Feridun Zaimoglu oder Roland Schimmelpfennig und setzen sich mit Themen wie Integration und Ausgrenzung auseinander. »Unser Ziel ist es, ver­schiedene Klangwelten vom 20er-Jahre Schlager bis hin zu zeitgenös­si­scher Musik einzufangen und durch mimetische, also nach­ahmen­de Prozesse zu einem eigenen urbanen Sound zusammenzufassen«, be­schreibt Vivan Bhatti die musikalische Idee. Sein Bruder Ketan Bhatti ergänzt: »Wir nutzen dafür eine klas­sische Orchester­beset­zung mit einem ausgeweiteten Schlag­zeug­ensemble und einem Synthesizer, der live angespielt wird.  Wie klingt dieses Leben in der Stadt? Das Leben im Kapitalismus, an dem das Individuum sich abarbeitet. Das Wispern, das Gemurmel, das Rau­schen, der Verkehr, der Puls – all das wollten wir mit den Mitteln des Orchesters in eine Musiksprache überführen, die die großen Fragen des Romans weiterspinnt.«

Die Uraufführung von Berlin Alexander­platz ist für die kommende Spielzeit 2021/22 geplant. In Zusammenarbeit mit dem Theater realisiert der Bielefelder Regisseur und Produzent Axel Fuhrmann (DokFabrik) für die Sender WDR und arte eine Fern­seh­dokumen­ta­tion über den Entstehungsprozess der Oper. Die Dokumentation soll unmittelbar nach der Uraufführung ausge­strahlt werden.

 

Uraufführung

Berlin Alexanderplatz
Oper von Ketan und Vivan Bhatti
Libretto von Christiane Neudecker
nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin

Auftragswerk des Theaters Bielefeld

Premiere Spielzeit 2021/22, Stadttheater


Gefördert im Rahmen von Fonds Neues Musiktheater 2020 – 2022

Mit freundlicher Unterstützung der Hanns-Bisegger-Stiftung