Konzerte Einführung

9. Kammerkonzert

Reger / Canteloube / Schubert

Mo. 12.06.2017 um 20:00 Uhr
Rudolf-Oetker-Halle, Kleiner Saal

Beschreibung

Max Reger Klarinettensonate As-Dur op. 49/1 
I. Allegro affannato
II. Vivace
III. Largo
IV. Prestissimo assai

Joseph Canteloube Rustiques für Oboe, Klarinette und Fagott
I. Pastorale
II. Rêverie
III. Rondeau à la française

Franz Schubert Klaviertrio B-Dur op. 99 für Violine, Violoncello und Klavier
I. Allegro moderato 
II. Andante un poco mosso
III. Scherzo. Allegro – Trio
IV. Rondo. Allegro vivace

Der »Exotik-Faktor« dieses Kammerkonzerts fällt zweifellos auf Joseph Canteloube und sein Werk Rustiques. Hierzulande nahezu unbekannt, gilt der 1879 geborene Canteloube in Frankreich als »Barde der Auvergne«, und tatsächlich ist es die intensive Beschäftigung mit den Volksliedern und Tänzen seiner Heimat, die ihm ein Alleinstellungsmerkmal verpassen. 1925 gründete er in Paris eine Art Heimatbund für Auvergnaten und solche, die es gerne wären. Später erwarb er ein Gut in der Südauvergne, auf das er so stolz war, dass er sich selbst den Namenszusatz „de Malaret“ gab. Canteloube spielte in den politisch wirren Zeiten des 2. Weltkriegs eine etwas unglückliche Rolle, sein Vermächtnis jedoch sind – neben zahlreichen eigenen Werken – eine umfangreiche Sammlung von Arrangements, den Chants d’Auvergne, die er über 30 Jahre zusammengetragen und bearbeitet hatte. Sein dreisätziges Stück Rustiques aus dem Jahr 1946 liegt ganz auf seiner Linie des Bodenständigen, Heimatverbunden und buchstäblich »Rustikalen«. 

Vorbereitet wird das Trio d’anches (Terzett für Rohrblattinstrumente) des Franzosen von Max Regers erster Klarinettensonate. Der 27-Jährige lebte in Weiden in der Oberpfalz und stand um 1900 im Begriff, mit der Familie nach München überzusiedeln. Offenbar gab es in Weiden wenig Ablenkungen, jedenfalls war Reger zu dieser Zeit ungewöhnlich produktiv. Seine zwei Klarinettensonaten op. 49 sind das Ergebnis einer sportlichen Herausforderung, die Reger an sich herangetragen fühlte, als er im privaten Kreis Brahms‘ Klarinettensonate op. 120 Nr. 1 hörte. Es dauerte nur drei Wochen, bis Reger seine Pendants fertig hatte – sie spiegeln aufs Schönste den Reiz seiner Musik, die, an der Schwelle zur Moderne angesiedelt, ihre Spannung aus Tradition und radikalem Modernismus bezieht. 

»Anmutig, vertrauend, jungfräulich« nannte Robert Schumann das erste Klaviertrio von Franz Schubert, und er musste es ja wissen – schließlich war Schumann nicht nur selbst Komponist und Musiker, sondern ein ausgewiesener Musikschriftsteller. Was immer diese Attribute »in Musik« bedeuten mögen – das Klaviertrio bekennt in jeder Note seines Schöpfers Genialität und Reife. Geradezu symphonisch hat Schubert das Trio gestaltet, was die Ausführung der musikalischen Themen, die Architektur und das ausgewogene Spiel der drei beteiligten Instrumente betrifft. 1827, ein knappes Jahr vor seinem frühen Tod, gründeten seine Freunde, der Geiger Ignaz Schuppanzigh, der Cellist Joseph Linke und der Pianist Carl-Maria von Bocklet, eine Art festes Klaviertrio, für deren Auftritte Schubert umgehend »lieferte«. Und zwar zwei Grands Trios von solchen Ausmaßen, dass sie selbst die Beethovenschen Klaviertrios in den Schatten stellten, die ihrerseits die Grenzen der Gattung aufgebrochen hatten …  

Termine

Kurzinfo

Spieldauer
ca. 01:30 Std.
Spielort
Rudolf-Oetker-Halle, Kleiner Saal
Lampingstr. 16
33615 Bielefeld
Anfahrt
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