Konzerte

Konzert zum Totensonntag

Requiem

Beschreibung

John Dowland (1563 - 1626)
Flow my tears

Claudio Monteverdi (1567 - 1643)
Lasciatemi morire
Ahi, che non pur risponde aus Lamento d'Arianna, 6. Buch der Madrigale                           


Tōru Takemitsu (1930 - 1996)
Requiem für Streichorchester

Carlo Gesualdo (1566 - 1613)
Moro, lasso, al mio duolo
aus dem 6. Buch der Madrigale

Benjamin Britten (1913 - 1976)
Lachrymae. Reflexionen auf ein Lied von John Dowland für Viola und Orchester op. 48


Heinrich Isaac (1450 - 1517)
Innsbruck, ich muss dich lassen

Wolfgang Amadeus Mozart
(1756 - 1791)
Requiem d-Moll KV 626

 

Der Toten des vergangenen Jahres zu gedenken, ist nicht nur für gläubige Menschen ein Bedürfnis. Die Erkenntnis, dass neben frohen Erlebnissen auch Trauer und Gedenken ihre Zeit haben, ist von vielfältigem Wert. Und wie könnte man eines geliebten Verstorbenen würdiger gedenken als durch live gespielte Musik? Zuhören, meditieren, in sich gehen, nicht zuletzt auch genießen – das alles ist in der angemessenen Dosis nur im Konzert möglich.

Das Konzert zum Totensonntag der Bielefelder Philharmoniker bietet nicht nur diesen ganz privaten Gefühlen Raum, sondern erweist mit seinem rund 400 Jahre umspannenden Programm zugleich drei großen Komponisten eine Referenz, deren Todes- oder, wie im Falle Mozarts, auch Geburtsjahr, sich 2016 in einer runden Zahl jährt: Benjamin Britten, der bedeutendste britische Komponist nach Edward Elgar, starb vor rund vierzig Jahren, am 4. Dezember 1976 – seine Opern Peter Grimes und The Rape of Lucretia waren in den letzten Spielzeiten in gelungenen Inszenierungen am Theater Bielefeld zu sehen. In seinem letzten Lebensjahr orchestrierte er Lachrymae (Tränen), ein 1950 für Klavier und Bratsche entstandenes Variationsstück über ein Lied von John Dowland. Der war ein überaus populärer englischer Lautenist des ausgehenden 16. und frühen 17. Jahrhunderts, und warum, das hört man schon in einem so bescheiden dimensionierten Lied wie Flow my tears. Sein Todesjahr 1626 reiht ihn übrigens ebenfalls in die Riege der »Jubilare« des Jahres 2016 ein. Auch wenn Flow my tears nicht im engeren Sinne ein Madrigal ist, eröffnet es doch eine zweite Ebene, die dieses Konzert zu einem besonderen macht: Neben den größer dimensionierten Chor- und Orchesterwerken, die eher dem geistlichen Begriff des Requiems verpflichtet sind, erklingen mit ausgewählten Madrigalen der Renaissance-Komponisten Claudio Monteverdi und Carlo Gesualdo (ein weiterer Jubilar: 450. Todesjahr…) ganz bewusst weltliche Gesänge – die nichtsdestoweniger von Vergänglichkeit und Trauer handeln und weitere Assoziationsräume aufmachen.

Tōru Takemitsu, einer der wenigen japanischen Komponisten, die auch in Mitteleuropa einen klangvollen Namen haben, erlag vor zwanzig Jahren und neun Monaten, am 20. Februar 1996, in seiner Heimatstadt Tokio einer Lungenentzündung. Sein Requiem, ein knapp zehnminütiges Stück für Streichorchester, widmete er 1957 seinem jung verstorbenen Kollegen Fumio Hayasaka, der in Japan sowohl durch klassische Werke als auch durch Filmmusik zu Ruhm gelangt war.

Mozart legendenumranktes Requiem anzupreisen, hieße Eulen nach Athen tragen. Es ist eine der tragenden Stützen nicht nur der Gattung Requiem im engeren, sondern der des Oratoriums im weiteren Sinn. Mozarts zu gedenken ist (zum Glück) kein Privileg eines »Mozart-Jahres«, aber auch 2016 bietet es sich besonders an, da der größte Genius der mitteleuropäischen Musikgeschichte nicht nur vor 260 Jahren geboren wurde, sondern auch vor 225 Jahren starb – quasi über der Partitur des darum auch unvollendeten Requiems.

Kurzinfo

Erster Termin war am
So. 20.11.2016
Spielort
Rudolf-Oetker-Halle
Lampingstr. 16
33615 Bielefeld
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