Gesang

Arthur Honegger / Paul Claudel

Johanna auf dem Scheiterhaufen

Beschreibung

Originaltitel Jeanne d’Arc au bûcher / Dramatisches Oratorium von Arthur Honegger / Libretto von Paul Claudel / Deutsche Fassung von Hans Reinhart / Aufführung als Lichtspieloper / Mit Übertiteln


Frankreich 1429. Der Geniestreich, mit dem das 17-jährige Bauernmädchen Jeanne alias Johanna aus seinem Heimatdorf Domrémy aufbricht, in den Krieg zwischen Frankreich und England eingreift und ihn zugunsten des französischen Thronfolgers wenden kann, hätte einer modernen Comic-Superheldin alle Ehre gemacht. Wäre nur das tragische Ende nicht gewesen, mit dem die erfolgreiche Kämpferin zur Märtyrerin wurde: Als Spielball politischer Mächte verschachert, starb sie nach einem Prozess, der diesen Namen nicht verdiente, im Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen in Rouen.


Lichtspieloper in Bielefeld

Johanna Wokalek, bekannt aus Kino (Die Päpstin u. a.) und TV, spielt die Titelrolle in Arthur Honeggers Oratorium Johanna auf dem Scheiterhaufen (Jeanne d’Arc au bûcher) in der Rudolf-Oetker-Halle. Das Werk besticht durch seine originelle Mischung aus Mysterienspiel, Melodram, Oper und Oratorium, durch seine kinematografischen Szenen, seine Symmetrie und Steigerungswelle. Das Besondere an der Bielefelder Neuproduktion als Lichtspieloper ist das Live-Drawing von Reinhard Kleist. Der mehrfach preisgekrönte Berliner Graphic Novellist wird während der Aufführungen zu den Szenen des Oratoriums Zeichnungen anfertigen, deren Entstehen das Publikum auf der großen Leinwand miterleben kann. Zusätzlich werden Übertitel eingeblendet, um dem Plot zu folgen.

 

--- VERSTEIGERUNG ---

Die von Reinhard Kleist angefertigten Zeichnungen werden im Anschluss an die jeweiligen Vor­stellun­gen im Foyer der Rudolf-Oetker-Halle versteigert. Der Erlös geht an die Aktion Lichtblicke e.V., die notleidende Familien mit Kindern unterstützt.



Entstehungsprozess

Rund 500 Jahre nach Johannas Märtyrertod war es wiederum eine furchtlose, besondere Frau, die die Geschichte der Johanna von Orléans auf die Bühne brachte – gänzlich anders, als Dichter wie Schiller oder Shaw, Komponisten wie Tschaikowsky oder Verdi es getan hatten. Ida Rubinstein, eine der schillerndsten Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts, die sich als Tänzerin, Choreografin und Regisseurin mehr als einmal in einer Männerdomäne durchsetzte, den Ruf einer Femme fatale genoss und heute als Gründermutter der Performance gefeiert wird, wandte sich 1934 an den Komponisten Arthur Honegger mit dem Auftrag, den Johanna-Stoff zu vertonen. Als Librettisten gewann sie Paul Claudel, französischer Diplomat, Schriftsteller und Katholik, der sich zunächst sträubte, dann aber aufgrund einer Vision (!) zusagte.
Claudel wählte die Situation Johannas kurz vor dem Feuertod ein ganz heterogenes, einzigartiges Bild der Heldin und Märtyrerin zu entwerfen – Himmelfahrt inklusive. Im Dialog mit Bruder Dominik, der sich, selbst längst verstorben, als eine Art himmlischer Journalist anerbietet, ihre Geschichte zu dokumentieren, durchlebt Johanna einzelne Stationen ihres Lebens erneut und begreift sie. Bemerkenswert daran ist, dass durch Ida Rubinsteins Engagement die Titelpartie der Johanna eine Sprechrolle wurde, die gleichsam als Kraftzentrum auf Honeggers großdimensionierte, vielfältige Musik wirkt.
Nach der überaus erfolgreichen Uraufführung 1938 in Basel wurde Ida Rubinstein bei der französischen Erstaufführung in Orléans, jener Stadt, die die historische Johanna von den Engländern befreit hatte, wegen ihres jüdischen Glaubens angefeindet, doch tat dies dem Siegeslauf des Oratoriums keinen Abbruch. Auf einer landesweiten Tournee durch die von den Nazis nicht besetzten französischen Gebiete wurde Jeanne d’arc au bûcher 1942 zu einem gefeierten Sinnbild des Widerstands gegen Besatzungsmacht, was durch einen 1944 hinzukomponierten Prolog untermauert wurde.

 

 

Förderer, Partner & Sponsoren

Diese Produktion wurde unterstützt von

Hanns-Bisegger-Stiftung

Kurzinfo

Spieldauer
ca. 01:30 Std.
Premiere
Fr. 12.01.2024

Zum letzten Mal
Fr. 26.01.2024
Erster Termin war am
Fr. 12.01.2024
Spielort
Rudolf-Oetker-Halle
Lampingstr. 16
33615 Bielefeld
Anfahrt